
Auf den ersten Blick wirken Stupsi, Nala und Thomas wie gewöhnliche Kaninchenbabys. Tatsächlich handelt es sich jedoch um junge Feldhasen.
Vor etwa zehn Tagen wurden die drei von Spaziergängern entdeckt, aufgenommen und in einer Tierarztpraxis abgegeben. So gut die Absicht dahinter war, bedeutete dies für die Tiere den Verlust der natürlichen Aufzucht durch ihre Mutter.
Seit einer Woche befinden sich die Feldhasenbabys in meiner Obhut und werden bei mir fachgerecht aufgezogen.🤍
Die ersten Lebenswochen in menschlicher Obhut🍼
Bei ihrer Aufnahme waren die Tiere schätzungsweise fünf bis sieben Tage alt. In diesem Alter benötigen Feldhasenbabys in der Aufzucht alle vier Stunden eine spezielle Aufzuchtsmilch.
Mittlerweile sind sie etwa 13 bis 15 Tage alt und werden im Abstand von sechs Stunden gefüttert. Pro Mahlzeit nehmen sie derzeit rund 30ml Milch zu sich, wobei die Menge mit zunehmendem Wachstum weiter steigt.
Zum Vergleich: In freier Wildbahn werden Feldhasenbabys lediglich ein bis zweimal täglich von ihrer Mutter gesäugt. Deren Milch ist deutlich nährstoffreicher als handelsübliche Aufzuchtsmilch, weshalb bei der Flaschenaufzucht häufigere Fütterungen notwendig sind.
Aktuell wiegen die drei etwa 210g. Für eine erfolgreiche Auswilderung müssen sie ein Gewicht von rund 1.000 g erreichen. Dieser Entwicklungsprozess wird voraussichtlich noch vier bis fünf Wochen in Anspruch nehmen.
Artgerechte Ernährung 🌿
Parallel zur Milchaufnahme beginnen die Tiere bereits damit, Gras und geeignete Wildkräuter zu fressen. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit, um später auch selektieren zu können.
Eine ausgewogene und naturnahe Ernährung ist für Feldhasenbabys von zentraler Bedeutung, insbesondere für eine gesunde Verdauung und die Entwicklung der Zähne.
Daher werden regelmäßig frisches Gras sowie geeignete Wildkräuter von unbelasteten Wiesen und Flächen gesammelt. Mit zunehmendem Alter werden sie davon immer mehr fressen.
Feldhasen sind keine Kaninchen 🙅🏼♀️
Feldhasen und Kaninchen sind zwei unterschiedliche Spezies.
Kaninchen sind eher klein und kompakt gebaut und wirken oft etwas „pummeliger“. Unsere Hauskaninchen sind domestiziert, also an den Menschen gewöhnt und gehören zu den Hasenartigen.🏡
Feldhasen hingegen sind deutlich größer, haben einen schlanken, drahtigen Körperbau und sind echte Wildtiere.
Wie der Name schon sagt, gehören Wildtiere in die Natur. Feldhasen dürfen weder in der Wohnung, noch im Haus oder im Garten gehalten werden, egal wie groß der Platz ist.
Sie stehen unter besonderem Schutz und sind nicht domestizierbar. Das bedeutet: Sie werden immer wild bleiben.
‼️Warum man Feldhasenbabys nicht aufnehmen sollte ‼️
Feldhasenbabys sind sogenannte Nestflüchter. Sie kommen bereits vollständig entwickelt, mit Fell und offenen Augen zur Welt. Zum Schutz vor Fressfeinden besitzen sie nahezu keinen Eigengeruch.
Die Mutter sucht ihre Jungen lediglich ein bis zweimal täglich zum Säugen auf und hält ansonsten bewusst Abstand, um keine Aufmerksamkeit auf sie zu lenken.
Werden die Tiere von Menschen berührt, kann dies dazu führen, dass sie den menschlichen Geruch annehmen. In der Folge besteht die Gefahr, dass die Mutter sie nicht mehr annimmt. Ohne ihre Muttermilch haben die Kleinen in freier Wildbahn keine Überlebenschancen.
Zudem kann die Trennung auch für das Muttertier schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, z.b. ein sehr schmerzhafter Milchstau, welcher sogar lebensbedrohlich für sie werden kann.
Daher gilt: Bitte keine scheinbar allein gelassenen Wildtiere aufnehmen. Auch wenn sie noch so süß aussehen. NUR bei sichtbaren Verletzungen sollte immer eine Wildtierstation oder der örtliche Tierschutzverein kontaktiert werden.
Der Weg zurück in die Natur 🌍
Stupsi, Nala und Thomas bleiben bis zum Erreichen ihres Zielgewichts in der Aufzucht. Anschließend werden sie an einem geeigneten, ruhigen Ort in ihrem natürlichen Lebensraum ausgewildert. 🌳
Während der Aufzucht wird der Kontakt zum Menschen bewusst auf das notwendige Minimum beschränkt. So wird verhindert, dass sich die Tiere an den Menschen gewöhnen oder fehlprägen.
Nur unter diesen Bedingungen haben sie eine realistische Chance, nach der Auswilderung selbstständig in der Natur zu überleben. 💚
Herzlichst,
Nicole Nebe und die drei Kleinen🐰💕
